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„Starkes“ Geschlecht bei STGKK-Veranstaltung auf dem Prüfstand: „Wie bleibt Mann gesund?“


Mehr als 90 ExpertInnen und Interessierte folgten am 20. Oktober der Einladung von STGKK und der Public Health School Graz ins Krone Center, um Antworten auf diese Frage zu finden und das Thema Männergesundheit zu diskutieren.

 

Beträgt die mittlere Lebenserwartung der Steirerinnen derzeit 84 Jahre, so dürfen die Herren der Schöpfung durchschnittlich lediglich mit 79 Jahren rechnen. Die Gründe für dieses auch als „gender gap“ (Geschlechterlücke) bezeichnete Phänomen sind vielfältig. Neben biologischen Nachteilen scheinen Lebensbedingungen und der Lebensstil die größte Rolle zu spielen, wie auch eine Klosterstudie zeigt: Die Lebenserwartung von Mönchen ist im Schnitt vier Jahre höher. Hauptgrund dafür: ein geregelter Tagesablauf mit gesunder Ernährung, wenig Alkohol und kaum Stress.

 

„Die Geschlechterrolle bestimmt den Lebensstil ganz entscheidend“, so Referent Thomas Altgeld, Experte für Männergesundheit. „Männer pflegen einen ungesünderen Lebensstil als Frauen: Sie rauchen häufiger, trinken mehr Alkohol und ernähren sich weniger ausgewogen, sind demzufolge auch häufiger übergewichtig. Sie leben deutlich gefährlicher, gehen weniger zum Arzt und nehmen Präventionsangebote wie die Vorsorgeuntersuchung weniger bzw. erst später in Anspruch – und sterben früher an vermeidbaren, das heißt stark lebensstilabhängigen Erkrankungen wie Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen“, so Altgeld.

Die Unterversorgung in Gesundheitsförderung und Prävention ist für Altgeld nicht nur auf das vermeintlich geringere Gesundheitsbewusstsein von Männern zurückzuführen, sondern auch auf die geschlechtsinsensible Ausgestaltung der Angebote. „Es stellt sich die Frage nach der richtigen Ansprache und Beratung für Männer, vor allem in Hinblick auf männliche Selbstwahrnehmungs- und Kommunikationsmuster“. Der Experte plädierte aber auch dafür, das Glas als halb voll statt halb leer zu sehen: „Die Männergesundheitsbewegung ist im Vergleich zu jener der Frauen zwar immer noch ein zartes Pflänzchen, aber sie nimmt an Fahrt auf“. Wichtig ist es für Altgeld auch, Erfolgsmeldungen zu transportieren: So ist der Anteil an männlichen Rauchern zum Beispiel deutlich gesunken.


In der abschließenden Podiumsdiskussion war man sich einig, dass es wichtig ist, möglichst früh mit Obfrau Mag. Verena Nussbaum bei der Eröffnungsrede/ Foto: Peter Manninger geschlechtsspezifischen Ansätzen und Maßnahmen zu beginnen. Es gilt, Männer und Frauen gleichermaßen in ihren Lebenswelten abzuholen und maßgeschneiderte Maßnahmen unter Einbindung der Betroffenen zu entwickeln – dann ist die Chance groß, dass die Maßnahmen auch angenommen werden und Lebensstiländerungen folgen. Auch für STGKK-Obfrau Verena Nussbaum ist klar: „Die Geschlechter sind nun einmal unterschiedlich. Wir brauchen intelligente Ansätze, wie wir Männer und Frauen gleichermaßen mit Gesundheitsförderungs- und Präventionsangeboten erreichen können. Gesundheitliche Chancengerechtigkeit auch in puncto Geschlecht herzustellen ist der STGKK ein zentrales Anliegen.“



Blick ins Publikum/ Foto: Peter Manninger   Am Podium: Dr. Mag. Christian Scambor, Mag. (FH) Roland Kaiser, Msc, Mag. Christine Hirtl, Dr. Bernd Haditsch, Dipl.Psych. Thomas Altgeld / Foto: Peter Manninger  Am Podium: Dr. Mag. Christian Scambor(Klinischer und Gesundheitspsychologe, Verein für Männer und Geschlechterthemen Steiermark), Mag. (FH) Roland Kaiser, Msc (Organisator Gesundheitsförderung & Public Health, STGKK), Mag.a Christine Hirtl (Psychologin, Frauengesundheitszentrum), Dr. Bernd Haditsch (Ärztlicher Leiter der Vorsorgeuntersuchung, STGKK), Diplom-Psychologe Thomas Altgeld (Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen)



Zuletzt aktualisiert am 10. November 2016